SAINT BEAUFORT

Unser neuestes Fundstück ist die Band St. Beaufort – drei, junge, gut aussehende und dazu noch lustige Musiker. Sie haben einander und ihren ganz eigenen Sound in der Mutterstadt gefunden. Derek Ullenboom, Henric Hungerhoff, Joe Jakubczyk spielen zusammen traditionelle Musik und versuchen dabei eine Brücke zu schlagen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart und wir müssen sagen, dass ihnen das ausgezeichnet gelingt. Wir durften die drei Jungs treffen und sie ordentlich ausfragen und freuen uns sehr euch St. Beaufort in einem Interview vorstellen zu dürfen.



Ihr – Joe, Derek und Henric - kommt aus den USA, Kanada und Deutschland und die erste Frage, die mir sofort in den Sinn kommt ist: Wie habt ihr euch kennengelernt und wie lange kennt ihr euch schon?

Joe: Ich habe Henric im Sommer 2013 getroffen, während ich in Berlin zu Besuch war. Nach einer Woche hat es mich so gejuckt andere Musiker zu treffen. Da habe ich herausgefunden, dass Henric und seine Band ein Konzert gaben und noch auf der Suche nach einer Vorband waren. Leider hatte ich mich zu spät gemeldet, aber ich war trotzdem der Meinung, dass ein Banjo gut zu ihren Sound passen würde. Henric fand das auch und so kam es, dass wir ein paar Tage später zusammen gespielt haben und noch am gleichen Abend sind wir zusammen bei dem Konzert aufgetreten. Wir haben noch ein paar weitere Konzerte zusammen gespielt und haben ein paar EPs aufgenommen, doch dann lief mein Touristen-Visa ab und ich bin zurück nach Arizona gereist.

Derek: Und dann kam ich dazu.

Joe: Ja, während ich weg war haben sich Henric und Derek kennengelernt und er hat während der ersten Konzerttour der Band das Banjo und die Mandoline gespielt. Als ich im Januar 2014 wieder zurückkam, habe ich wieder das Banjo gespielt und Derek blieb mit seiner Mandoline.

Henric: Wir drei spielen jetzt seit eineinhalb Jahren zusammen. Derek und Joe haben eigene Songs entwickelt, die wir in unser Repertoire mit aufgenommen haben und mit der Zeit sind wir zum Kern der Band geworden. Nach einer Tour durch West-Deutschland und die Schweiz, haben wir beschlossen den ursprünglichen Bandnamen zu ändern in St Beaufort, um zu reflektieren wie sich die Band entwickelt hat.

Ihr seid aus verschieden Teilen der Welt und da muss ich einfach fragen: Warum lebt ihr ausgerechnet in Berlin?

Henric: Ich bin seit 2010 in Berlin, aber auch schon vorher wusste ich, dass Berlin die Stadt ist in der ich unbedingt leben möchte. Diese Stadt hat einfach so viele großartige Dinge zu bieten. Die Menschen, die Atmosphäre, ihre Geschichte, Kreazivität, die Freiheit, die man spürt, wenn man durch die lebhaften Straßen läuft. Und natürlich hätte ich sonst nirgendwo anders Joe und Derek getroffen.

Joe: Für zwei Jahre bin ich eigentlich ständig zwischen Europa und Amerika hin und her gereist. Ich bin den Jakobsweg durch Frankreich und Spanien gelaufen, habe in Rom gelebt , in einem Skiverleih in den Alpen gearbeitet, bis mich das Schicksal letztendlich nach Berlin gebracht hat. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich an einem besonderen Ort gelandet bin. Es ist einfach toll hier andere Musiker zu treffen und ich hatte schon länger Pläne hier zu studieren. Es ging jedoch schneller Leute über die Musik kennen zu lernen, als über die Uni, also habe ich wohl mehr Zeit damit verbracht durch Europa zu touren, als über den Büchern zu sitzen.

Derek: Meine Großeltern sind von Deutschland nach Kanada ausgewandert, daher bin ich ursprünglich her gekommen, um Verwandte zu besuchen und sozusagen meine Wurzeln zu entdecken. Ich wusste, dass Berlin eine großartige Musikszene hat und nachdem ich es selbst gesehen hatte, wusste ich, dass es mein Ziel sein würde eine musikalische Brücke zwischen Berlin und Toronto zu schlagen. Denn dort hatte ich bereits Musik studiert und meine Karriere als Musiker begonnen.

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Joe: Es hört sich an wie Folk, fühlt sich an wie Bluegrass, schmeckt wie Americana und riecht wie Country, sieht aus wie die gute alte Zeit und “moves like Berlin” (O-Ton).

Bei allem Ernst, es ist schwer unserer Musik ein Genre zuzuordnen. Wir spielen akustische Instrumente, die traditionell mit Folkmusik assoziiert werden, aber wir sind anders als die traditionellen Folkbands. Bei Country denkt man immer gleich an Cowboys mit großen Hüten, Gürtelschnallen und Stiefeln, aber so sehen wir überhaupt nicht aus. Bluegrass kommt uns schon näher, aber auch das sind wir nicht zu 100%. Wir schauen mit einem frischen Blick auf alte Ideen und wollen entdecken, wo diese Ideen heute noch existieren und versuchen sie weiterzuführen und uns davon inspirieren lassen.



Ist die Tatsache, dass ihr alle aus unterschiedlichen Ländern kommt wichtig für eure Musik?

Derek: Ja, das spielt definitiv eine Rolle in unserer Musik und unserem Auftreten. Unser Stil hat seine Wurzeln auf einem Kontinent, der von Einwanderern verschiedenster Nationalitäten bevölkert wurde und ich finde es wichtig, dass Musik als international angesehen wird.

Joe: Wenn Henric das Akkordion spielt, wie er es von seiner Großtante gelernt hat, dann reflektiert es seine deutschen Wurzeln

Henric: Und man kann förmlich spüren, wie Dereks Stimme uber die großen Weiten von Manitoba schwingt.

Joe: Natürlich ist die Liebe zur Musik, das was uns verbindet, aber auch unsere persönliche Geschichte ist wichtig und sagt viel darüber aus wo diese Liebe herkommt und warum wir so eine große Leidenschaft für Musik haben.

Gibt es außer der Musik noch andere Dinge, die euch drei verbinden?

Henric: Wir treffen uns auch, wenn es nicht um die Band geht. In erster Linie sind wir Freunde, was es uns möglich macht eine Art Verbundenheit und Ehrlichkeit in unsere Musik einfließen zu lassen. Wir mögen auch die ganz normalen Dinge: Kaffee, Whisky, das Auswerten verschiedener Biersorten. Wir alle lieben es zu reisen, andere Leute zu treffen und gutes Essen

Joe: Ich denke wir teilen auch eine Liebe für großartige Gespräche, ernste oder alberne Diskussionen – von all dem hatten wir schon reichlich, ging es nun um Literatur, Politik, Theologie, oder Philosophie.

Woher kommt eure Inspiration?

Joe: Wenn man für Inspiration einfach nur offen ist, dann findet man sie in den verrücktesten Orten. Einmal habe ich einen Song über einen Pfalsterstein geschrieben, den ich auf dem Weg zum Zug gesehen habe. Warum? Einfach weil der Stein einmalig war, nicht wertgeschätzt und jeden Tag überrant von tausenden von Menschen. Manchmal werden Dinge nicht bemerkt und wenn man sich plötzlich fragt, ob sie Aufmerksamkeit verdienen, erlangen sie schon allein dadurch Wichtigkeit.

Derek: Erfahrungen sind auch so. Wenn man traurig oder wütend ist, oder auch einsam und man schreibt diese Erfahrung in einem Song nieder, dann folgt man plötzlich einer tausend Jahre alten Tradition. Ich spüre dann die gesamte Menschheitsgeschichte und plötzlich ist eine Geschichte über das Verlorensein, Angst zu haben , oder über das Weggehen eine Wahrheit, die man teilen kann.

Joe: Und dann gibt es noch diese Wahrheit...es gibt etwas an der Musik, die es uns möglich macht Wahrheiten zu teilen. Wir sind inspiriert von Geschichten, Legenden, Poesie und der Natur. Wahrheit wird oft weitergereicht von Generation zu Generation anhand von poetischen und mythologischen Geschichten. Sie scheinen oft widersprüchlich, aber wenn man an Chesterton denkt, der sagte, er glaubt an Märchen, nicht weil dort gesagt wird, dass Drachen existieren, sondern weil Drachen dort besiegt werden können. Wir ziehen Inspiration aus manchmal unglaublichen Geschichten, die wir jedoch alle selbst erlebt haben.

Henric: Yeah, wir sehen uns diesen Riesen und Bergen und stürmischer See täglich gegenübergestellt. Wie wir ihnen begegnen, liegt an jedem persönlich. Wunder und Abenteuer in unserem täglichen Leben zu entdecken ist auch etwas das uns inspiriert.

Wie wichtig ist Berlin für euch und welche Rolle spielt die Stadt in eurem Leben?

Henric: Diese Stadt hat ein ganz besonderes Flair und ist uns überaus wichtig. Hier sind wir uns begegnet und ohne die Szene wären wir nicht in der Lage gewesen uns zu dem zu entwickeln was wir jetzt sind.

Joe: Auch die relativ günstigen Lebenshaltungskosten haben uns geholfen als Künstler zu überleben und es möglich gemacht an Projekten zu arbeiten, auch wenn das Geld knapp war. Die Internationalität der Stadt, bedeutet auch für uns, dass unserer Musik keine Grenzen gesetzt sind und wir eventuell vor einem immer größeren Publikum spielen können, denen unsere Musik gefällt.

Derek: Yeah, die Tatsache, dass man von Neukölln schnell am Tempelhofer-Feld ist, oder auch im Tiergarten schnell mal dem Tourismusgewimmel aus Mitte entfliehen kann ist so erfrischend und hilft der Kreativität unglaublich sich zu entfalten. Diese Stadt hat so eine Vielfalt zu bieten. Wenn es doch hier nur auch Berge gäbe…

Das ist euer erstes Album. Wie würdet ihr es in nur drei Worten beschreiben?

Joe: barfuß, staubig, gemütlich. Derek: urbane Farm-Musik. Henric: Leben, Holz, handgemacht.

Wir finden die Jungs von St Beaufort einfach großartig und hoffen sie gefallen euch auch. Hört doch mal rein in ihr neues Album „St Beaufort“.




Tourdaten findet ihr auf:


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