DESIGNPANOPTIKUM – WAT IS’N DIT?

Die Frage was das Designpanoptikum ist kann man schnell beantworten. Es ist das surreale Museum für industrielle Objekte in Berlin-Mitte. Doch dieselbe Frage stellt sich bei jedem einzelnen Objekt in diesem Museum. Der aus Russland stammende Fotograf Vlad Korneev hat das Museum liebevoll in jahrelanger Kleinarbeit zusammengestellt. Wir haben ihn besucht und wie kleine Kinder ganz oft gefragt: Was ist das?

 


Auf den ersten Blick wirkt das Museum etwas gespenstisch, beinahe möchte man glauben, man wäre in Frankensteins Labor. Doch wenn Museumsdirektor Vlad Korneev die Führung durch sein skurriles Museum beginnt, verfliegt jeglicher Horror und an seine Stelle treten Neugier und Staunen. Wirklich jedes einzelne Stück ruft unwillkürlich die Frage hervor was man denn da nur betrachtet. Die Ausstellungsstücke sind alles echte industrielle Objekte aus den letzten hundert Jahren. Bei den meisten Stücken handelt es sich um Gebrauchsgegenstände aus dem Alltag und gerade das macht das Museum so interessant und einzigartig.

Vlad sagt, es gibt zwei Möglichkeiten die Dinge in seinem Museum zu betrachten, zum einen mit Fantasie und zum anderen mit Logik. Oft wird unsere Fantasie so sehr angeregt, dass aus den tatsächlich sehr realen und industriellen Objekten im Museum etwas sehr surreales wird. Die Objekte mit Logik zu betrachten ist jedoch beinahe ein Intelligenztest. Jedes Objekt hat einen Namen, eine Geschichte und eine Funktion, aber unsere Fantasie spielt uns bei der Betrachtung, der heute unbekannten Objekte, einen Streich und so wird es oft schwierig die immer wiederkehrende Frage zu beantworten: Was ist das?

Die Antworten auf diese Frage sind so vielseitig, dass die besten falschen Antworten auf die Museumshitliste kommen, die während der Führung zum Besten gegeben werden. Das Museum lebt gerade durch die Fantasie der Besucher und genau darum geht es auch – um das Verhältnis von Form und Funktion und deren Interpretation. Eigentlich ist Vlad Korneev Fotograf und interessiert sich besonders für das symbolische Aussehen von Objekten. Vor sieben Jahren fing er an verschiedenste industrielle Objekte zu sammeln und vor etwa fünf Jahren wurden es so viele, dass er die Räume in der Torstraße 201, in Berlin dafür gemietet hat. Was ihn an den Objekten aus dem letzten Jahrhundert fasziniert sind die Geschichten, die sie erzählen. Ein Objekt erzählt immer etwas aus der Zeit aus der es stammt und über das Land, in welchen es hergestellt und genutzt wurde und manchmal kennt Vlad sogar die Geschichte der früheren Besitzer.

Ein Objekt, was uns bei unserem Besuch besonders fasziniert hat, ist die ‚eiserne Lunge‘. Heute weiß kaum noch einer was das ist, obwohl diese Maschine viele tausende von Menschenleben gerettet hat. Es ist eine Unterdruckkammer, die nach dem zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde, um an Polio erkrankte Menschen, insbesondere Kinder, zu beatmen. Die Ressourcen waren zu dieser Zeit knapp und so wurden Teile aus alten U-Booten verbaut. Menschen haben bis zu 60 Jahre am Stück in dieser Kammer verbracht und sie war tatsächlich bis zum Jahr 2008 im Einsatz. Die letzte Patientin hat 55 Jahre in dieser Maschine gelegen und starb darin aufgrund eines Stromausfalls. Sie hat Zeit ihres Lebens gefährdete Jugendliche beraten. Einen Menschen zu sehen, der den Großteil seines Daseins in einer solchen Maschine verbringt, ist mit Sicherheit sehr Wirkungsvoll und bringt einen zum Nachdenken, über das eigene Leben und wozu man es nutzt. Mit der ‚eisernen Lunge‘ ist heutzutage kein Geld mehr zu verdienen und deshalb verschwindet sie aus den Köpfen der Leute, dabei erzählt sie hollywoodreife Geschichten.

Alle seine mit Leidenschaft zusammengetragenen und oft vom Schrottplatz geretteten Objekte wurden hergestellt um genutzt zu werden, aber da es sie heute in dieser Form nicht mehr so gibt, geraten sie in Vergessenheit und Vlad möchte sie konservieren und dafür sorgen, dass sie in den Köpfen der Menschen bleiben. Viele der Objekte könnte man als moderne Kunst zum Verkauf anbieten, doch Vlad hält lieber an den Objekten fest, damit möglichst viele Menschen sie noch betrachten können und ihre Fantasie anregen können. Wenn Vlad die Besucher durch das Museum führt, nimmt er auch die eine oder andere Kultur charmant auf die Schippe. Er hat viele Objekte aus Russland, Frankreich, USA, England und Deutschland in seiner Ausstellung und wo sonst passen Geschichten aus diesem Zeitraum und aus diesen Ländern so gut zusammen wie in Berlin.

Das Designpanoptikum sorgt nicht nur dafür alte Dinge in Erinnerung zu behalten, sondern auch dafür, dass manche der Objekte auch heute noch einen Nutzen haben. So haben manche der Stücke schon als Filmrequisiten gedient. Wie zum Beispiel ein paar Lampen in einem Werbespot von Karl Lagerfeld. Oder auch als Aufdruck auf T-Shirts. Geld für Werbung für das Museum wird nicht ausgegeben, denn Vlad hält nicht viel davon. Er ist überzeugt, dass sich gute Dinge von alleine durchsetzen. Für Empfehlungen und gute Bewertungen im Internet ist er jedoch immer sehr dankbar. Wir haben bei unserem Besuch im Designpanoptikum viel dazu gelernt und wurden zudem noch gut unterhalten – ein Fundstück das wir mit Freude weiterempfehlen!



DESIGNPANOPTIKUM - surreales Museum für industrielle Objekte
Torstraße 201, 10115 Berlin
Tel: 01577 4012991

Öffnungszeiten:
Montag

11:00-18:00
Dienstag11:00-18:00
Mittwoch11:00-18:00
Donnerstag11:00-18:00
Freitag11:00-18:00
Samstag11:00-18:00
SonntagGeschlossen

Foto: Lothar Steiner
Foto: Lothar Steiner

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